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Wie du immer wieder aufstehst

Das soll jetzt kein Leitfaden für das Überwinden sämtlicher Probleme werden. Naja, irgendwie schon. Vielleicht kannst du ja das eine oder andere daraus mitnehmen. Oder bist du völlig anderer Meinung? Dann hinterlasse uns doch einen Kommentar, wie du die Sache siehst!


Warum können manche Menschen nach jedem K.O.-Schlag einfach wieder aufstehen, während andere daran zugrunde gehen? Wieso ist es für manche Menschen so schwer, aus ihrem Tief zu entrinnen, und wieder andere haben scheinbar keine Probleme damit, sich immer wieder neu zu motivieren?

Maria ist nicht von hier. Sie beherrscht die Landessprache noch nicht so gut, doch sie gibt ihr Bestes, damit ihre vier Kinder es halbwegs gut haben. Trotzdem weiß sie vor jedem Wochenende nicht, ob sie in der nächsten Woche noch genügend Geld für Lebensmittel aufbringen kann. Maria ist vor einem Jahr hierher gezogen, geflohen vor ihrem Mann, der sie und die Kinder regelmäßig geschlagen hat. Alejandro, ihr jüngster Sohn, ist vor drei Monaten an einer Lungenentzündung gestorben. Jetzt sind sie nur noch zu fünft, und in allen Herzen der kleinen Familie brennt ein bitterer Schmerz.
Maria hat es nicht leicht, doch sie würde niemals ans Aufgeben denken. Sie lässt sich durch keinen noch so harten Schicksalsschlag entmutigen, jeden einzelnen Tag gibt sie ihr Bestes und ist für alle da.
Sind es Sorge und Liebe zu ihren Kindern, die sie antreiben?

Alex hat vor kurzem seinen Job verloren. Es war ein wirklich gut bezahlter, mit Kollegen, die wie Kumpels für ihn waren. Eigentlich hat Alex es immer leicht gehabt in seinem Leben, erfolgreiche Eltern, eine großzügige Erbschaft und eine glänzende Karriere. Doch dieses Mal ist Alex in eine tiefe Depression gefallen, aus der er nicht heraus kommt. Er kümmert sich weder um einen neuen Job, noch um sein körperliches Wohlbefinden. Jeden Tag sitzt er vor dem Fernseher und schläft in der Mitte des Hauptabendprogramms ein. Am nächsten Morgen fühlt er wieder diese unendliche Leere, die ihn nach unten zieht und gefangen hält wie ein schwarzes Loch. Manchmal tut er sich sogar selbst leid, sodass er für ein paar Sekunden leise weint. Zugeben würde er das aber nie.

Das Geheimnis eines starken Charakters

Ich komme ja bekanntlich aus Österreich, und im Wienerischen Dialekt gibt es den Begriff des „Stehaufmandls“; ein Männlein, das immer wieder aufsteht. Wer möchte nicht gerne diese Stärke besitzen, ungeachtet seiner äußeren Umstände ein Stehaufmandl zu sein? Woher kommt sie, diese Stärke?

Das Geheimnis, warum manche Menschen robuster sind als andere, wurde in den 1950er-Jahren gelüftet, als Emmy Werner die erste Resilienzstudie auf einer hawaiianischen Insel durchgeführt hatte. Ihre Erkenntnis war: Je mehr Bindung du im Kindesalter erfährst, desto stabiler wirst du später in der Welt stehen.

Na bumm, so einfach ist es also? Öfter mal mit Mama und Papa kuscheln und ich werde später alles wegstecken können?

Verkürzt gesagt, ja, da könnte durchaus was Wahres dran sein. Das ist auch einer der Gründe, warum unsere Kinder weder in den Kindergarten gehen, noch eine Schule besuchen. Wir möchten sie selbst bestimmen lassen, wie viel Bindung sie gerade brauchen. Und das ist keinesfalls vereinbar mit einer täglichen Agenda, die darauf ausgelegt ist, Kindern eine Selbstständigkeit von außen aufzuzwingen. Das führt anfänglich zu starker Gegenwehr (Schreien, Weinen, teilweise tagelang) und später zur Resignation, unweigerlich gefolgt von einer starken Veränderung des Charakters deines Kindes – Rückzug, Abschottung und Vermeidung jeglicher Konfrontation.

Ich war aber in der Schule, was nun?

Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn du – so wie ich – Jahre deines Lebens in diesen artfeindlichen Gebäuden mit spiegelndem PVC-Belag und gefährlich langen Gängen verschwendet hast, kann ich dich beruhigen: Du hast eine Strategie entwickelt, die dich bis jetzt durchhalten hat lassen:

Die Frust-Resistenz

Ein Tool, das frei lernende Menschen selten bis nie benutzen müssen, haben wir beide, du und ich, jeden Tag geschliffen und eingesetzt. Es ist schon auffällig, dass Menschen, die vom Schicksal regelrecht gebeutelt wurden, deutlich beständiger erscheinen als Sunnyboys und -girls, die bislang immer auf die Butterseite des Lebens gefallen sind.

Es ist zwar weit nicht so effektiv wie eine starke Bindung, aber gegen Frust immun zu sein hilft ebenfalls, Enttäuschungen und Schicksalsschläge gut verkraften zu können. Ich kann das aus eigener Erfahrung berichten, denn in den letzten Monaten ist – obwohl wir davor noch nie so glücklich waren – einiges schief gelaufen, und es hat auch einige Tränen und herbe Enttäuschungen gegeben.

Der absolute „Overkill“ ist, wenn du beides erfahren hast: Eine starke Bindung mit viel aufrichtiger Liebe und ein paar ordentliche Rückschläge im Leben, die deinen Rücken letztendlich gestärkt haben. Der fahle Spruch „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“ bekommt hier eine ganz neue Qualität. Es ist tatsächlich so: Du lernst, mit Negativem umzugehen. Du beginnst, es einfach zu akzeptieren, deine Gefühle zuzulassen, sie rauszulassen, anstatt alles zu bekämpfen oder verdrängen zu wollen. Und wenn du das geschafft hast, kannst du versuchen, einen Vorteil für dich daraus zu ziehen.

Wie mit unserem Bus: Ich habe ein Jahr lang daran gebaut, und jetzt werden wir ihn weggeben. Anfangs war ich bitter enttäuscht, jetzt freue ich mich total darauf, diese Tonnen an Stahl und Glas jemandem zu geben, der sie schätzen und lieben wird. Manchmal ist das Positive vom Negativen auch nur einen kleinen Schritt entfernt. Wie wenn du mit deinem Rücken zur aufgehenden Sonne stehst. Du brauchst dich nur umzudrehen, und schon wird aus tristem Grau ein wunderbar heller gelb-oranger Schimmer am Horizont.

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  • Wer ist die Road Family?

    Wir sind eine ganz normale Familie mit drei kleinen Kindern. Und wir haben beschlossen, zu reisen. Das ist kein Urlaub, sondern unser Leben. Unsere Kinder werden ​nicht zur Schule​ gehen, wir ernähren uns ​vegan​, und praktizieren aktiv Konsumverzicht​ so gut es geht. Auf unserer Reise werden wir mit unzähligen Menschen sprechen und planen später Coaching und Veranstaltungen anzubieten.

    Warum?
    Genau diese Frage ist Teil der Antwort.
    Wir wollen Menschen inspirieren​, alles was sie denken zu sein, was sie täglich tun, denken und sagen zu hinterfragen. Warum gibt es Tonnen an Plastik im Meer? Warum gehen wir alle 4 Jahre wählen und es ändert sich doch nichts? Warum kaufe ich so viele Dinge, die ich gar nicht brauche? Warum macht mich das nicht glücklich? Warum sperren sich so viele Menschen nach ihrer Arbeit am Abend alleine in ihrer Wohnung ein und setzen sich vor den Fernseher bis sie einschlafen, getrennt durch Mauern und Türen, jeder getrennt und für sich? Warum freuen sie sich in der Arbeit auf ihre Freizeit, das “richtige Leben”, wenn sie es dann nicht leben?

    Wir haben erkannt, dass wir nicht alleine sind mit diesen Gedanken. Sehr viele Menschen stellen sich diese Fragen und wir versuchen gemeinsam Auswege zu finden. Vor allem haben wir erkannt, dass es total falsch ist zu glauben, dass ich als einzelner, kleiner Mensch auf dieser großen Welt nicht verändern kann. Wir zeigen einen möglichen Weg!

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4 Gedanken zu „Wie du immer wieder aufstehst

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