Wir reisen ohne Bus

Wow, was für Wochen liegen hinter uns. Wir haben gesucht, mit Werkstätten telefoniert, geschrieben, überlegt, diskutiert, uns nach neuen Bussen umgesehen.
Kurzum, es war nervenaufreibend, schier unmöglich eine geeignete Werkstatt im umliegenden Ausland zu finden, die telefonisch oder per Mail gut erreichbar wäre. Eine einzige hat dann nach insgesamt zwei geschlagenen Wochen Wartezeit und mehrmaligen erfolglosen Anrufen eine etwaige Schätzung abgegeben. Wir könnten unseren Bus Mitte Jänner bringen und es eine Reparatur würde 1-2 Monate dauern. Bis heute wurde uns kein konkreter Termin genannt, wann wir kommen dürfen. Sehr verlässlich klingt das für uns leider nicht.

Dank einer befreundeten Reisefamilie, die selbst vor kurzem auf der Suche nach einem Bus war, haben wir einige neue Fahrzeuge gefunden. Zwei davon haben uns wirklich gut gefallen, jedoch ist der Standort Bochum nicht gerade ums Eck. Wir haben mit dem überaus netten Eigentümer telefoniert, er hat uns Fotos und Daten geschickt. Sehr informativ und verlässlich. Es war sofort klar, wir müssen hin.
Zuerst dachten wir, wir könnten als Familie fliegen, aber mit den neuen Bestimmungen müssen alle Kinder einen Pass haben, daher fiel das ins Wasser. Gerald machte sich also am Samstag Abend alleine auf den Weg.

13 Stunden Zugfahrt, er wurde sogar vom Bushändler vom Bahnhof abgeholt, ein absoluter Busnarr, wie sich herausstellte. Sie verbrachten den halben Sonntag gemeinsam damit, Busse zu besichtigen und zu reden. Leider waren die beiden anvisierten Fahrzeuge nichts für uns. Der eine hatte Rost, und den hatten wir ja schon zu Genüge. Der andere hatte üblen Wassereintritt am Dach und an den Seitenwänden.

Als mich diese Nachrichten hier in Österreich ereilten, war ich ziemlich bedrückt, doch dann folgte doch noch etwas Positives, ein Bus von dem Gerald begeistert war.

Anfangs war ich etwas schockiert über die Kürze Wobei ich in letzter Zeit ohnehin immer wieder gezweifelt habe, ob Josefine nicht zu lang ist und wir überall hinkommen würden. Es haben uns viele Leute gesagt, überlegt noch mal, ob ihr euch so ein langes Teil zulegen wollt, kürzer ist besser. Nun ja, wir haben das zwar wahrgenommen, aber wir hören generell sehr selten auf andere Es passt ganz zu unserem gemeinsamen Wesenszug, man lernt nur aus eigenen Fehlern.

Nach einiger Überzeugungsarbeit von Gerald war ich aber nun auch restlos von dem kürzeren Modell begeistert.
Er ist innen unglaublich hoch, viel Platz also und kerzengerade an den Wänden, das heißt keine Kästen zurecht schneiden. Er hat eine Hebe- und Senkvorrichtung mit der man in unwegsamem Gelände das Fahrzeug einfach anheben kann, oder auf unebenem Terrain trotzdem perfekt waagerecht parken kann. Rundumaussenbeleuchtung, Zentralverriegelung und weniger Sprit braucht er auch. Ausserdem ist er unten rostfrei, Gerald ist deswegen extra darunter gekrochen, und es gibt mittlerweile ein Werkstatt-Gutachten, das den ersten Blick bestätigt. Er ist nur 7,4 Meter lang und 2,36 Meter breit. Eigentlich klein, aber Platz genug.

Wir minimalisieren unser Leben seit Anfang Jänner, seit wir Josefine gekauft haben. Es soll vor dem Umzug in den Bus definitv noch weniger werden und da kam uns der Kleine noch sympathischer, praktischer und kompakter vor. Wir haben auch schon einen Plan, wie das Innenleben gestaltet wird und wir eigentlich auch hier alles unterbringen, was notwendig ist. Einzig und allein das Klavier muss zu Hause bleiben
Der Verkäufer sollte noch ein paar Kleinigkeiten instand setzen und den TÜV neu machen, dann ist er bereit für uns. Gerald würde dann mit Josefine nach Bochum fahren, denn er hat uns angeboten Josefine für uns zu verkaufen. Und fährt mit unserem neuen Bus wieder nach Hause.
Alles geklärt. Wir wollten am Montag darauf die Anzahlung machen, als uns plötzlich am Samstag ein E-Mail erreicht mit Fotos von einem alten Büssing, komplett neu aufgebaut, wunderschönes Gefährt mit viel Charme. Alles schon eingebaut was wir wollten, lediglich die Optik müssen wir noch anpassen.
Uff, unverhofft kommt oft … anscheinend stimmt dieses Sprichwort. Eigentlich wollten wir das Ganze noch vor Weihnachten abschließen.

Denn … wir nehmen eine Auszeit. Wir müssen weg, wir brauchen eine schöpferische Pause. Neuen Input, Motivation, neue Leute und eine neue Umgebung. Und das Wichtigste, wir brauchen Sonne, Meer und Wärme.
Gerald und ich hatten unseren letzten Urlaub 2011, als ich mit Lina im 3ten Monat schwanger war. Danach folgten der Hauskauf, der Umbau, drei Umzüge und wir bekamen noch zwei weitere Kinder.
Dieses Jahr war sehr aufregend und auch unglaublich anstrengend. Wir haben unseren Bus gekauft und umgebaut, das Haus fertig gestellt und vermietet, das Lebensmittel-Projekt auf die Beine gestellt, waren in der Flüchtlingshilfe aktiv, haben unseren Haushalt aufgelöst und all das neben unserer „normalen“ Arbeit und unseren drei Kindern, die nicht von Fremden „beschäftigt“ werden. Oft haben wir Unterstützung von Gerald’s Mama bekommen, auch von Workawayern oder Freunden, dafür sind wir sehr dankbar.

Ich hatte schon länger den Gedanken, einfach für ein paar Tage Urlaub zu machen oder gar weg zu fliegen. Gerald aber „sitzt“ am Geld und möchte nur das Notwendigste ausgeben, da wir alles was möglich ist für unser künftiges Leben sparen wollen. Absolut vernünftig und nachvollziehbar, aber … da das Wetter hier seit 3 Wochen außer Nebel auch noch Regen bieten kann und wir allesamt nicht mehr wissen wie die Sonne aussieht, musste ich das Thema wieder ansprechen. Es ist eine Investition in unser aller Wohl und ich glaube, dass wir davon sehr profitieren werden. Wir kriegen uns doch schon manchmal in die Haare, und bei all dem Sparen und Arbeiten bleibt manchmal einfach zu wenig Zeit für uns, für unsere Familie übrig. Wir haben nichts davon, wenn wir mit einem fertigen Bus ins Abenteuer aufbrechen, uns aber gar nicht mehr richtig leiden können. So weit wollen wir es nicht kommen lassen.

Mit Hilfe eines überaus inspirierenden Skype-Telefonats mit einer anderen befreundeten Familie, die bereits auf Reisen ist, konnte ich Gerald überzeugen und wir haben die Tickets gleich am nächsten Tag gebucht. Zu Silvester fliegen wir für 2 Monate nach Thailand, landen in Phuket, dann geht’s weiter mit Bus und Fähre auf die Insel Ko Phangan. Zu Silvester? Ja genau, Gerald wollte immer schon Mal ein Feuerwerk von oben sehen Ich bin gespannt, in welcher Zeitzone wir das neue Jahr begrüßen dürfen, über welches Land wir gerade fliegen werden, ob man von oben tatsächlich Feuerwerke sieht und ob sie genauso faszinierend aussehen wie von unten.  Die Flugtickets waren nicht billig, aber Leben und Unterkunft sind es durchaus. Und es gibt dort genau, was wir jetzt brauchen: Ruhe, Entspannung, Erholung und eine inspirierende Arbeitsumgebung. Wir werden das Leben genießen, Energie tanken und weiter an unserem Buch schreiben.

kalenderDie Kinder freuen sich unglaublich darauf, wir haben sogar einen Streichkalender gebastelt, damit sie wissen, wann es los geht Lina meinte, sie wird jeden Tag in der Früh gleich nach dem Aufstehen ins Meer schwimmen gehen. Und sie wollen mit den Fingern essen, weil man das in Thailand so macht. Jeden Tag die frischesten Früchte, vor allem Mangos, soviel sie wollen, das allein klingt für die Kids wie das schönste Paradies. Und Theo hat gesagt, er will noch schnell das Dinkelbrot fertig essen, bevor es los geht Das ist sooooo typisch Ich kann die Meeresbrise fast schon spüren und die Luft schmecken, den Sand zwischen meinen Zehen fühlen. Die Freude lässt mich fast platzen. — Auch dass wir dort mit der anderen Familie gemeinsam vieles unternehmen und auch zusammen arbeiten werden, steigert die Vorfreude fast ins Unermessliche. Wir werden uns den zweiten Bus definitiv noch ansehen und uns vermutlich erst nach oder während unserer Reise für einen entscheiden. Man darf gespannt sein, welche Wendungen, Bekanntschaften und neue Eindrücke hinter der nächsten Ecke auf uns warten.

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  • Wer ist die Road Family?

    Wir sind eine ganz normale Familie mit drei kleinen Kindern. Und wir haben beschlossen, zu reisen. Das ist kein Urlaub, sondern unser Leben. Unsere Kinder werden ​nicht zur Schule​ gehen, wir ernähren uns ​vegan​, und praktizieren aktiv Konsumverzicht​ so gut es geht. Auf unserer Reise werden wir mit unzähligen Menschen sprechen und planen später Coaching und Veranstaltungen anzubieten.

    Warum?
    Genau diese Frage ist Teil der Antwort.
    Wir wollen Menschen inspirieren​, alles was sie denken zu sein, was sie täglich tun, denken und sagen zu hinterfragen. Warum gibt es Tonnen an Plastik im Meer? Warum gehen wir alle 4 Jahre wählen und es ändert sich doch nichts? Warum kaufe ich so viele Dinge, die ich gar nicht brauche? Warum macht mich das nicht glücklich? Warum sperren sich so viele Menschen nach ihrer Arbeit am Abend alleine in ihrer Wohnung ein und setzen sich vor den Fernseher bis sie einschlafen, getrennt durch Mauern und Türen, jeder getrennt und für sich? Warum freuen sie sich in der Arbeit auf ihre Freizeit, das “richtige Leben”, wenn sie es dann nicht leben?

    Wir haben erkannt, dass wir nicht alleine sind mit diesen Gedanken. Sehr viele Menschen stellen sich diese Fragen und wir versuchen gemeinsam Auswege zu finden. Vor allem haben wir erkannt, dass es total falsch ist zu glauben, dass ich als einzelner, kleiner Mensch auf dieser großen Welt nicht verändern kann. Wir zeigen einen möglichen Weg!

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6 Gedanken zu „Wir reisen ohne Bus

  1. Hallo ihr Lieben,

    das hört sich ganz wunderbar an. Wir wünschen euch zwei ganz wunderbare Monate und viel Klarheit über euren weiteren Weg. Das rostige Auto können wir gut nachfühlen. Bevor wir auf unser Reisejahr los sind, hatten wir auch riesen Trouble mit unserem WoMo.
    Es ging los mit einem Nässeschaden, den ich erst nach dem Kauf entdeckt hatte. Abendelang hab ich Holz ausgetauscht, gesägt und gehämmert. Dann ging es weiter mit Rost unter dem Auto. Okay, bei uns ist es nur ein Fiat Ducato, der wohl nicht ganz so komplex wie euer Riesengefährt ist, aber wir mussten auch 3mal zum TÜV und noch öfter in die Werkstatt, bis wir endlich los konnten. Ich weiß es heute noch – es war ein Samstag, die Wohnung war übergeben, die Möbel eingelagert, das WoMo voll mit unseren Sachen, die Kids eingeladen und direkt zum TÜV. Es musste klappen – alles auf eine Karte! Und es hat geklappt. Also, ab die Post. Es wird wunderbar. Und vielleicht treffen wir uns irgendwann mal im Elsass oder auf der Straße!
    Bis dahin, seid behütet!

    Benjamin von FamilieAufKurs

    • Danke Benjamin für deine kleine Anekdote, das macht uns natürlich auch weiter Mut. Wir sind aber eh keine Kinder von Traurigkeit und ich bin guter Dinge, dass alles so läuft wie es sein soll. Cool, dass ihr dann wirklich den TÜV bekommen habt Würde mich freuen euch bald mal zu treffen!
      Bis bald und gute Fahrt!

  2. Liebe Road Family

    Oh wie wunderbar. Das freut mich zu lesen und ich habe dabei ein wunderbares Gefühl. Ich denke, dass es eine gute Entscheidung war, einen kleineren Bus zu nehmen auch wenn das Klavier zu Hause bleiben wird. Dass ihr die viele Zeit und die viele Arbeit, die ihr in Josefine investiert habt, loslassen konntet und ihr euch für einen kleineren noch nicht umgebauten Bus entschieden habt, finde ich stark. Gratuliere! Ich denke, dass ihr auf eurer Reise damit viel flexibler sein werdet und me(e)hr das leben könnt, was ihr euch wünscht.

    Von Herzen wünsche ich euch viel Erholung und eine kraftspendende, wohlfühlende und inspirierende Auszeit in Thailand. Grüsst mir das Meer.

    Herzlich
    Sonja

  3. Liebe Roadfamily,

    wie krass diese Entwicklung zu lesen – wobei ich sie nur überflogen habe, nachdem mich die Lust auf Sonne und Weiterweg zu euch geführt hat. Und ich wollte schauen wie es mit eurem Bus ausschaut. Ich habe immer mit einem leichten *hätt ich auch gern so viel Platz* Blick zu euch geschaut. Wir sind gerade in den Überlegungen wie wir unser Mobil (MB L613D hoch und breit) für uns Sechs innen größer einrichten als er ist…und das mit minimalem finanziellen und zeitlichen Aufwand, da wir ja eigentlich schon lange los wollten… Aber Stress tut nicht gut, auch wenn er nur innerlich ist und im Aussen grad nix passiert…

    Und ich kriege grad Lust auch einfach loszufliegen…Uns fehlt ein bisschen der finanzielle Plan, aber vielleicht fliegt der uns ja zu…ich werde euch mal über FB anschreiben und erstmal versuchen mehr zu lesen von eurem Thailand-Abenteuer…

    Herzliche Grüße
    Katrin

    (unsere Seite ist leider noch sehr spärlich und nur männlich geführt)

    • Hallo Katrin,

      ja, so sieht es aus
      Unsere ganze Reise in ein freies Leben war ein ständiges Auf und Ab, ein Hin und Her zwischen verschiedenen Entscheidungen. Wir sind jetzt so glücklich, ohne Last und ohne Klotz (Bus) am Bein unterwegs zu sein und genießen zudem noch den Vorteil, auch an Orte gelangen zu können, die mit einem Bus unmöglich erkundbar wären (wie die Insel Koh Phangan, auf der wir derzeit leben).
      Das Finanzielle lässt sich lösen, auch wir hatten am Anfang kein Geld (und noch Schulden dazu).

      Gerne, lass uns doch in Kontakt bleiben!

      Alles Liebe,
      Gerald

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