Wir essen, was andere wegwerfen

Angefangen haben wir mit Dumpstern, Mülltauchen, Containern oder wie man es auch immer nennen möchte. Ich bin auf einen Mann gestoßen der in unserem Raum Lebensmittel verteilt, die Lebensmittelketten wegschmeißen, da sie nicht mehr verkaufbar sind.

Nachdem wir selbst aber noch sehr fit sind, hat Gerald gemeint, er versucht es selbst, hat sich die Schlüssel besorgt und ist nach Wien gefahren um seinen ersten Tauchgang zu unternehmen. Er musste leider alleine fahren, da ich hochschwanger war und unsere beiden Kids natürlich nicht alleine zu Hause bleiben konnten.

In der Tat, er wurde fündig und kam mit 2 gut gefüllten Taschen zurück.

Wir haben uns auf Facebook in verschiedenen Gruppen angemeldet und ein bisschen rumgefragt und waren einigermaßen schockiert, als wir dann herausfanden, dass es auch unter den Dumpsterern Hamsterer gibt

Daraufhin hat uns Viktoria von der Wiener Bedarfshilfe kontaktiert und wir haben uns getroffen.

Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und nach kürzester Zeit durften Gerald und ich jeden Samstag im nördlichen Wien 2 Filialen und im südlichen Wien 4 Filialen abholen.

Das machten wir 2 Monate, haben uns selbst versorgt und den ganzen restlichen Eddy (unser Auto) zur Tafel Österreich in Mistelbach gebracht und es an Bedürftige verteilt.

Da das Sprittechnisch nicht sehr effizient war, haben wir das Projekt NÖ/Mistelbach ins Leben gerufen, nun fährt Gerald 2 Mal die Woche nach seiner Arbeit (in Wien) bei 3 Filialen vorbei, die quasi am Weg liegen, und nimmt hier die Lebensmittel mit, wir haben einen Verteiler bei uns im Garten gemacht und uns einen „Kundenstock“ von derzeit ca. 30 Familien aufgebaut.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, man kann mit 3 Filialen bei 2 Abholungen die Woche 30 Familien (etwa 100 Menschen) fast vollständig versorgen!

Es schockiert uns immer wieder aufs Neue, in welch wahnsinnig verschwenderischen, konsumgesteuerten Wegwerfgesellschaft wir leben.

In vielen Ländern verhungern tausende Menschen, vor allem Kinder. Wenn ich mir vorstelle unsere Kinder hätten nichts zu essen und würden elendiglich verhungern, könnte ich heulen!

Menschen, oft auch Kinder stehen stundenlang unter extremster Hitze und unsagbar schlechten Bedingungen (kaum Wasser, schlechte oder gar keine Bezahlung, kein Schutz vor Hitze oder Sonne, …) am Feld und ernten Obst und Gemüse, das wir weg schmeissen, weil es nicht der Norm entspricht, weil es 2 cm zu lang, zu kurz, zu dick, zu dünn ist, weil es zu krumm ist, das Schwein, das Huhn, die Kuh, die ihr ganzes Leben gelitten haben bis sie letztendlich geschlachtet wurden, es landet im Müll, weil der Konsument immer die größte Auswahl haben möchte, die Brottheke, die 5 Minuten vor Ladenschluss noch komplett gefüllt sein muss … es will einfach nicht in meinen Schädel, wie verschwenderisch hier mit unseren Ressourcen umgegangen wird, mit Essen, das viele Menschen brauchen können!

Aktuell sieht man es ja wieder am Beispiel Traiskirchen, dem Flüchtlingslager, wobei Lager wohl der richtige Ausdruck dafür ist unter welchen Umständen diese Menschen ausharren müssen.

Wäre es nicht das mindeste sie mit gutem Essen zu versorgen, sollten nicht alle Supermärkte in der Umgebung täglich alle Waren, die weg geschmissen würden dort abliefern … aber nein, sie schmeißen es lieber in den Müll und hängen dann noch Ketten davor?

Kranke Welt, kranker Konsum, wo soll das hin führen?

Was können wir tun? Wir verweigern den Konsum, wir gehen nicht mehr einkaufen, versuchen Lebensmittel die wir zukaufen müssen auf ein Minimum zu reduzieren.

Bpg2V4WCYAAV6JM.jpg_large

Jeder Einzelne kann etwas bewegen, versucht, wenn ihr einkauft, sehr bewusst einzukaufen, schmeißt keine Dinge weg, es gibt z.B. auch Foodsharing, wo Waren, die nicht mehr gebraucht oder verarbeitet werden können, gratis anbieten könnt, ihr könnt sie in sogenannte „Fair-Teiler“ bringen, dort können sie von anderen Menschen abgeholt werden, die sie brauchen. Geht bevor ihr in den Supermarkt geht zu einem Fair-Teiler, vernetzt euch auf verschiedenen Portalen. Wenn es immer mehr Leute gibt, die das machen, wird der Markt gezwungen umzudenken und mit unseren wertvollen Ressourcen achtsamer umzugehen.

Ein wunderbares Zitat:

„Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“

Gandhi portrait ** NB 159024 **

Mahatma Gandhi

  • Willst auch du frei und glücklich leben?

    Trage dich zu unserem Newsletter ein und bleibe immer zuerst informiert.

  • Wer ist die Road Family?

    Wir sind eine ganz normale Familie mit drei kleinen Kindern. Und wir haben beschlossen, zu reisen. Das ist kein Urlaub, sondern unser Leben. Unsere Kinder werden ​nicht zur Schule​ gehen, wir ernähren uns ​vegan​, und praktizieren aktiv Konsumverzicht​ so gut es geht. Auf unserer Reise werden wir mit unzähligen Menschen sprechen und planen später Coaching und Veranstaltungen anzubieten.

    Warum?
    Genau diese Frage ist Teil der Antwort.
    Wir wollen Menschen inspirieren​, alles was sie denken zu sein, was sie täglich tun, denken und sagen zu hinterfragen. Warum gibt es Tonnen an Plastik im Meer? Warum gehen wir alle 4 Jahre wählen und es ändert sich doch nichts? Warum kaufe ich so viele Dinge, die ich gar nicht brauche? Warum macht mich das nicht glücklich? Warum sperren sich so viele Menschen nach ihrer Arbeit am Abend alleine in ihrer Wohnung ein und setzen sich vor den Fernseher bis sie einschlafen, getrennt durch Mauern und Türen, jeder getrennt und für sich? Warum freuen sie sich in der Arbeit auf ihre Freizeit, das “richtige Leben”, wenn sie es dann nicht leben?

    Wir haben erkannt, dass wir nicht alleine sind mit diesen Gedanken. Sehr viele Menschen stellen sich diese Fragen und wir versuchen gemeinsam Auswege zu finden. Vor allem haben wir erkannt, dass es total falsch ist zu glauben, dass ich als einzelner, kleiner Mensch auf dieser großen Welt nicht verändern kann. Wir zeigen einen möglichen Weg!

    Mehr über unsere Familie

8 Gedanken zu „Wir essen, was andere wegwerfen

  1. „Wäre es nicht das mindeste sie mit gutem Essen zu versorgen, sollten nicht alle Supermärkte in der Umgebung täglich alle Waren, die weg geschmissen würden dort abliefern … aber nein, sie schmeißen es lieber in den Müll und hängen dann noch Ketten davor?“ Das würden sie schon machen, dürfen das aber selbst wegen gesetzlichen Bestimmungen nicht!
    Die einzige Möglichkeit ist, das man von selbst tätig wird und die Verteilung in die Hände nimmt. Bei uns in Mainz gibt es z.b den Brotkorb. Aufgeteilt nach Stadtbezirken werden hier ein Großteil der abgelaufenen Nahrungsmittel dem Lebensmittelhandel fast vollständig abgenommen und in eigenen Verteilerzentren an Bedürtige verteilt. Aktuell gibt es sogar einen großen Versorgungsengpaß durch die Flüchtlingsproblematik.
    Ist auch für die Händler ein Vorteil: Sie müssen weniger entsorgen.

    • Rechtlich gibt es da gar kein Problem. Sie, die Supermärkte, dürfen das sehr wohl. Da es aber mit einem finanziellen Mehraufwand verbunden ist, ist es für die Supermärkte natürlich nicht lukrativ ihr abgelaufenes Zeug irgendwo hin zu liefern.
      Sie müssten auch ihren „Müll“ nicht wegsperren. Das machen sie nur, damit es illegal wird ihn mitzunehmen. Wenn die Tonne frei zugänglich ist, ist es rechtlich, zumindest in Österreich vollkommen klar, dass jeder den Inhalt der Tonne mitnehmen kann und darf.

  2. Wir treten als Verein auf und haben, wie viele andere Vereine einen Kooperationsvertrag mit verschiedenen Lebensmittelketten. Dies ist Sache der Vereinsgründerin, wir sagen dann, welche Filialen wir gerne hätten und dann schaut man, ob es da Möglichkeiten gibt, wenn du Interesse hast einen Verteiler zu machen, melde dich bitte per PN bei mir. Liebe Grüße Bianca
    PS: Ausserdem ist diese Verschwendung gerade in aller Munde, sie wollen doch auch nur ihr Image aufpolieren

  3. Hier versagt mal WIEDER die Politik, ist nichts neues, es wäre einfach hier eine Ausnahmeregelung zu machen. Ebenso ist es nicht verboten die Lebensmittel an Vereine zu übergeben, die diese dann weitergeben. Wo ein Wille da ein Weg. Tolles Vorzeigeprojekt das ihr da in Mainz habt. Gut gelöst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.