Zuhören, aber schnell!

Wie oft ist dir das schon passiert: Du redest oder erzählst etwas und dein Gegenüber hört dir gar nicht richtig zu, sondern wartet nur, bis du Luft holst, um seine eigene Botschaft anbringen zu können.

In einer Zeit, in der alles sehr schnell geht, in der wir früh morgens mit dem Wecker aufstehen, uns schnell waschen und anziehen, einen hastigen Happen in uns schlingen, zur Arbeit fahren, uns ständig durchsetzen müssen, uns rechtfertigen müssen, eine Expertise abgeben müssen, wo bleibt da noch die Zeit um einmal still zu sein?

Du bist darauf trainiert, besser zu sein als andere. Schneller zu sein, lauter zu sein. Du hast gelernt dich durchzusetzen, im Kindergarten, in der Schule, in der Arbeitswelt. Aber niemand hat dir gezeigt, wie man eigentlich zuhört.

Du kannst perfekt senden, aber überhaupt nicht empfangen

Dabei konntest du das irgendwann einmal richtig gut. Als dir deine Mama eine Geschichte vorgelesen hat. Da konntest du zuhören, eintauchen, dich packen lassen von den Erzählungen. Da war alles möglich: Sprechende Wölfe, fliegende Hexen und Prinzessinen, die 100 Jahre schliefen. Als dein Verstand gereift war, hast du irgendwann begonnen, Dinge zu hinterfragen. Das geht doch gar nicht, der Pfefferkuchenmann kann ja gar nicht laufen! Doch, in der Geschichte, durch deine Phantasie geht das. Du hast das verstanden und konntest trotzdem eintauchen, in eine Welt voller Wunder und Ideen.

Und dann wurde dein Leben schneller. Schnell anziehen, wir müssen in den Kindergarten. Schnell die Hausaufgaben machen, sonst darfst du nicht nach draußen gehen um zu spielen. Schnell noch die Kostenübersicht ausdrucken, der Chef braucht sie in 5 Minuten beim Meeting.

Dann ruft dich dein Kind an: Es hat etwas mit Draht und Papier gebastelt, es will dir erzählen, wie toll es aussieht und wie es das geschafft hat. Du hast aber keine Zeit, denn jetzt bist du in einem wichtigen Meeting. Du kannst nicht zuhören, denn du hast keine Zeit dafür.

Wieder leben

Das ist die Zeit, in der wir leben. Eine Zeit, in der wir alle keine Zeit haben. Und wenn wir in dieser Zeit leben, die es gar nicht gibt, weil es keine Zeit dafür gibt, leben wir auch nicht.

Ich möchte anfangen zu leben, in meiner Zeit, in unserer Zeit. Ich möchte diese Zeit wieder mit Leben füllen.
Ich höre dir zu. Das ist der erste Schritt zum Leben.

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  • Wer ist die Road Family?

    Wir sind eine ganz normale Familie mit drei kleinen Kindern. Und wir haben beschlossen, zu reisen. Das ist kein Urlaub, sondern unser Leben. Unsere Kinder werden ​nicht zur Schule​ gehen, wir ernähren uns ​vegan​, und praktizieren aktiv Konsumverzicht​ so gut es geht. Auf unserer Reise werden wir mit unzähligen Menschen sprechen und planen später Coaching und Veranstaltungen anzubieten.

    Warum?
    Genau diese Frage ist Teil der Antwort.
    Wir wollen Menschen inspirieren​, alles was sie denken zu sein, was sie täglich tun, denken und sagen zu hinterfragen. Warum gibt es Tonnen an Plastik im Meer? Warum gehen wir alle 4 Jahre wählen und es ändert sich doch nichts? Warum kaufe ich so viele Dinge, die ich gar nicht brauche? Warum macht mich das nicht glücklich? Warum sperren sich so viele Menschen nach ihrer Arbeit am Abend alleine in ihrer Wohnung ein und setzen sich vor den Fernseher bis sie einschlafen, getrennt durch Mauern und Türen, jeder getrennt und für sich? Warum freuen sie sich in der Arbeit auf ihre Freizeit, das “richtige Leben”, wenn sie es dann nicht leben?

    Wir haben erkannt, dass wir nicht alleine sind mit diesen Gedanken. Sehr viele Menschen stellen sich diese Fragen und wir versuchen gemeinsam Auswege zu finden. Vor allem haben wir erkannt, dass es total falsch ist zu glauben, dass ich als einzelner, kleiner Mensch auf dieser großen Welt nicht verändern kann. Wir zeigen einen möglichen Weg!

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5 Gedanken zu „Zuhören, aber schnell!

  1. Ich glaube nicht, dass Zeit mit Qualität aufgewogen werden kann. Dass nicht die Quantität sondern Qualität der Zeit mit Kindern zähle ist ein Satz aus Erziehungsratgebern der Nachkriegszeit und ich finde, dass dieses Konzept lediglich unsere Separation rechtfertigen sollte. Die ersten Schritte, das erste Mal allein Fahrradfahren, das sind alles Dinge zu denen man nichts beitragen braucht. Man muss einfach nur da sein. Und zwar am Besten immer.

    Unsere Tochter Lina hat gestern gefragt, warum das Pferd in der Koppel eingesperrt ist. Sie hat gesagt, es möchte frei sein, so wie ich. Ich will auch nicht in den Kindergarten, ich will auch frei sein.

    Dieser Text ist nicht komplett wörtlich zu verstehen, ich habe in Metaphern versucht zu verdeutlichen, dass es schon oft genügt, sich gegenseitig zuzuhören. Sonst hat man keine Chance, sich weiter zu entwickeln, denn das einzige was man dann reden hört ist sich selbst.

  2. Hallo Gerald, liebe Road Family!

    Danke für die Erinnerung ans (aktive) Zuhören.
    Mir gefällt die Geschichte, mit dem Kind, das anruft um dich an das Wesentliche zu erinnern. Und durch dein Posting erkenne ich, daß es dir wirklich wichtig ist, uns wieder einmal darauf aufmerksam zu machen, daß wir das erkennen dürfen.

    Ich mache derzeit eine Ausbildung zum Coach und parallel dazu besuche ich aktuell eine Ausbildung zum GFK-Trainer. Und auch da begegne ich immer wieder den Themen: aktives Zuhören und Empathie.

    Und jedes Mal, wenn diese Themen angesprochen werden, denke ich mir: Ja, das will ich ja wirklich. Doch im Moment, in den es darauf ankommt, bin ich wieder Unachtsam, zu fokusiert auf nur ein Detail, und es passiert schon wieder: Wieder mal hab ich nicht so recht zugehört.

    Und doch gelingt es mir in letzter Zeit immer öfter, aktiv zuzuhören, präsent zu sein, das Hier und Jetzt wahrzunehmen. _Nicht_ in der Vergangenheit schwelgen, _nicht_ planen, sondern: im-Moment-da-sein. Meinem Gegenüber meine volle Aufmerksamkeit schenken. Mein Zugang dazu war: meine innere Haltung. Ich bin in das Gespräch gegangen, mit dem Vorsatz: Ich bin für _dich_ da. Und: Ich bin für _mich_ da. Ich bin im Hier und Jetzt. Und auch wenn ich mal im Gespräch gedanklich abschweife, fällt es mir durch diese Haltung immer schneller auf, _dass_ das gerade passiert ist. Und dann komme ich – ohne Selbst-Verurteilung, daß „es“ mir wieder mal passiert ist – ins Hier und Jetzt und zu meinem Gesprächspartner zurück. Mir hat das Einnehmen der Inneren Haltung „Präsent-Sein“ sehr gut dabei geholfen.

    Nochmals Danke für dein inspirierendes Posting.

    lg, Alex

  3. Hallo lieber Alexander!

    Fein dass du hier mitliest und du was daraus gewinnen kannst. Danke auch für deine ergänzenden Worte und Erzählungen. Die Themen Präsenz und innere Haltung begegnen uns auch immer wieder in unserer Reflexion über… alles Mögliche. Vor allem auch beim Thema Kinder-„Erziehung“ und Unschooling. Dazu wird es bestimmt noch einige Beiträge geben.

    Alles Liebe – und komm uns gerne mal jederzeit besuchen Bianca möchte dich auch mal kennen lernen

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