Der Bus

Nach insgesamt etwa viertausend Kilometer Fahrt, verteilt auf zwei Fahrzeuge, sind wir nun stolze Besitzer eines Omnibusses. Und es war nicht der, den wir eigentlich kaufen wollten.

Überstellungsfahrt

Ursprünglich Nach unserer ersten Planänderung hatten wir ein ganz bestimmtes Busmodell im Auge, einen Setra S 315 NF. Das ist ein relativ moderner Niederflur-Stadtbus mit allem, was so ein Stadtbus eben hat – inklusive modernem Motor, Hebe- und Senkanlage und sonstigem Schnick-Schnack (den wir eigentlich nicht brauchen). Doch als ich mir beim Bushändler etwa sieben oder acht Modelle aus insgesamt ca. 180 anderen angesehen habe, ist eines ganz besonders aufgefallen.

Zehn Tonnen Stahl und Glas

Es war der exakte Vorgänger unseres Wunschmodells. 1990 gebaut, fast eine Million Kilometer am Buckel und mit einem ziemlich „rohen“ MAN-Dieselmotor ohne jegliche Elektronik ist der Setra S 215 UL nicht nur einfach zu warten und reparieren, er ist auch kein Niederflurbus. Die waren damals noch nicht so weit verbreitet. Warum das schlimm ist? Ist es nicht, und Bianca freut sich besonders darüber, da sie immer einen Überlandbus haben wollte. („Da kann man ur viel unten in diese Klappen einräumen!“) Mich stören die Stufen und der niedrigere Inneraum ein bisschen, aber man kann trotzdem ganz aufrecht stehen und hat noch immer genügend Luft nach oben.

Warum es dann genau dieser Bus sein musste? Alle anderen Busse, auch in deutlich höheren Preisklassen, hatten etliche Macken, von defekten oder rauchenden Motoren über Wassereintritt durch die Außenhülle bis zur Personifikation des Rosts, in Fachkreisen auch Fahrgestell genannt. Unser Bus war hingegen unglaublich günstig und fährt wahnsinnig laufruhig, ohne Vibrationen oder Scheppern und viel leiser als sein Nachfolgemodell. Und er ist trotz langer Stehzeit sofort angesprungen, beim ersten Versuch. Ohne Stottern, ohne Macken, einfach „Wrummm“.

Wir sind dann ein paar Runden gefahren, auch die Automatik hat perfekt und ruhig geschaltet, selbst die Standheizung hat funktioniert (obwohl die anfangs immer ein bisschen quietscht). Ein kurzer Check der Außenhülle: Alles dicht. Kurz über den nassen Boden gerobbt: Das Fahrgestell und der Unterboden sind beinahe rostfrei. Auch der Motorraum sieht sehr sauber aus, alles dreht sich und werkt wie es wohl soll (mehr Ahnung von Bussen habe ich ja noch nicht).

Der Busmechaniker hat mir mit Bayrischem Akzent erklärt, dass der eingebaute Motor aus gutem Grunde heutzutage nicht mehr gebaut wird: „Den kriegst du einfach nicht kaputt!“ Diese Tatsache würde der geplanten Obsoleszenz im Wege stehen und die Umsätze der Bushersteller schmälern. Tja, das klingt doch einigermaßen plausibel – und der nette Typ war eben Mechaniker und kein Verkäufer.

Gestern war dann die eigentliche Überstellung – und die hat sich als richtige Nervenprobe entpuppt. Was dabei geschah, hört sich als „Verkettung von unglücklichen und glücklichen Zufällen“ beinahe unglaubwürdig an.

Die Busfahrerin hat uns um 01:30 Nachts abgesagt (um 04:00 Uhr war die Fahr nach Deutschland geplant). Wir sind aus allen Wolken gefallen. Ich hatte bereits am Mittwoch die Kurzzeitkennzeichen aus Deutschland besorgt – und die verlieren nach fünf Tagen automatisch ihre Gültigkeit. Wir konnten den Termin also nicht verschieben, erst recht nicht, weil der Bushändler den Bus von seinem Gelände loswerden wollte. In meiner Verzweiflung habe ich in einer Busfahrer-Gruppe auf Facebook einen Hilferuf abgesetzt und eigentlich bis frühestens 07:00 Uhr nicht mit einer Reaktion gerechnet. Dann wäre es aber schon zu spät gewesen, da der Bushändler Samstags nur bis 13:00 Uhr geöffnet hat und die Anreisezeit aus Österreich ca. sechs Stunden beträgt (mit Eddy ca. acht, aber dazu gleich mehr). Tatsächlich hat sich aber schon fünf Minuten später ein Busfahrer aus Rosenheim gemeldet – er wäre spontan bereit uns zu helfen. Wie war das möglich? Irgendwie ist er wach geworden und konnte nicht mehr einschlafen, dann hat er auf seinem Handy ein bisschen auf Facebook gestöbert und prompt meine Nachricht gelesen.

Damit noch nicht genug: Nach dem anfänglichen Ärger, weil uns die erste Busfahrerin im Stich gelassen hat und der riesigen Freude über die spontane Hilfsbereitschaft des zweiten Busfahrers kam der zweite Schicksalsschlag: Unser VW Transporter sprang nicht an. Ich konnte also nicht losfahren und der ÖAMTC hätte erst in zwei Stunden da sein können – das wäre viel zu spät gewesen. In unserer Verzweiflung hat Bianca dann einfach unsere Nachbarin mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt. Sie hat uns tatsächlich ihr Auto geborgt, weil sie es am Wochenende ohnehin nicht brauche. Danke! Ich glaube ja nicht wirklich an das Schicksal oder Vorsehung, aber all das sieht ganz danach aus. Denn ohne ihr Auto (das wirklich sehr schnell fahren konnte) hätten wir es wohl nicht rechtzeitig zum Bushändler geschafft.

Der Bus-LenkerDie Überstellungsfahrt hat inklusive An- und Rückreise etwa 29 Stunden gedauert, mit einer Schlafpause von eineinhalb Stunden auf einem Rastplatz in Bayern bei -7°C. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein und ratet mal – ich bin jetzt richtig erschöpft – aber total glücklich. Unsere Kinder konnten den Bus nun auch endlich mit eigenen Augen sehen, ihn anfassen und ausprobieren.

So steht er nun da und wartet auf seine bevorstehende Transformation zum Wohnbus. Aber Moment, irgend etwas fehlt da noch… Er hat noch keinen Namen! Nach Eddy, unserem VW Transporter (der heute übrigens wieder ohne etwas verändert zu haben läuft…), wollen wir die Tradition zur Benennung lebloser Gefährte fortsetzen, um sie ein bisschen lebendiger zu machen. Wenn du Vorschläge hast, wie so ein alter Wohnbus heißen könnte, lass es uns einfach wissen, wir sind für jeden Tipp dankbar! (Ich habe spontan „Brummi“ im Kopf, aber das klingt doch etwas einfallslos.)

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2 Gedanken zu „Der Bus

  1. Ich find es toll dass ihr dort weitermacht wo ich aufgehört habe da ich zeireisender bin. Wo wohnt ihr möchte euch kennenlernen und euch unterstützen da ich ja weiss worum es hier geht und ich es ähnlich hinter mir habe.

  2. Mmmmh, ich mag zwar keine Ferndiagnosen aber eigentlich könt ihr euch glücklich schätzen einen Überlandbus gekauft zu haben und keinen Stadtbus. Stadtbusse haben/hatten immer eine kurze Achsübersetzung. heißt, sie kommen schnell auf Geschwindigkeit, sind aber in der Endgeschwindigkeit eher langsam und haben einen hohen Spritverbtauch. Überlandbusse haben eine lange Achsübersetzung und verbrauchen eigentlich weniger. Ich hatte einen amerikanischen Schulbus mit 9 Liter Motor und der verbrauchte knapp 20L, manchmal auch weniger….Viel glück bei eurem Ausbau

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